ELISABETH RUNGHOLD - Lyrik und Prosa eines friesischen Fräuleins

Forschung & Technik

 

 

Mein Mond

 

"Füllest wieder Busch und Thäler"
sang gar Goethe
[1] über dich.
Goethe reimt fast ohne Fehler.
(Goethe ist schon sehr an sich.)

 

Hat dein Schimmer ihn beleuchtet,
nun auch mir den Strahl geschenkt ?
So nun meine Feder feuchtet
auf Papier, was aus mir denkt :

 

"Als Pomeranze gehst du auf
wie Hefeteig im Quarkstück.
[2]
Noch prangend, balde gehst du drauf
wie silbernes Fünfmarkstück."

 

Fräg ich mich morgens vor dem Schranke,
was man am Leibe tragen kann,
wie delibrir ich, zag und schwanke.
Du ziehst bloß Fluth und Ebbe an.

 

Schäl ich mich abends aus dem Kleid,
lugt mir dein Licht aufs Mieder.
Dies bleibt wohl in Vertraulichkeit ?
Sonst tu das ja nicht wieder !

 

Ein Mann sei in dir, sagt das Volk
und hat die Mähr gewoben.
Frau Luna lungert im Gewolk.
Was treiben die dort oben ?

 

Sonnenschein, ihn mußt du meiden
fern vom Mutter-Erden Schoß.
Hängst du manchmal zwischen beiden,
ist bei uns der Teufel los :

 

Letzter Lichtstrahl, siech noch linst er
hinter schwarzer Scheibe Mond.
Zehn Minuten nisst es finster.
Sowas ist man schwer gewohnt.

 

Nun, der Neu-Mond ist partout
keiner Rarithät Erlebnis.
Zieh bloß die Gardinen zu  -
gleich dasselbige Ergebnis.

 

Ach, rastlos ist dein Wanderstab,
mich rührt dein Los persönlich.
Mal nimmst du zu, mal nimmst du ab...
Mein Mond, mir geht es ähnlich
[3].

 

 

 

 

Astronomie

 

Weh, wie muß sich Dichtung mühen
bei des Tages Nüchternheit.
Erst bei Abendroths Verglühen
wirkt des Wortes wahre Zeit.

 

Blick ich in der Sterne Weiten,
geht ins Auge ihr Erguß,
wenn mich schicklich tut be-reiten
schön der Schimmel Pegasus.

 

Strahlts auch hie vom Süden-Kreuze
nie in nordpolare Nacht,
trösten Stier und Beteigeuze,
wenn ihr Feuer fern uns facht.

 

Fällt mein Blick hoch zum Saturne,
schier mich seine Zier bezwingt :
Wie mein linker Finger vurne
ist geschmackvoll er beringt.

 

Und es führt nicht zum Verdrusse,
ist der Venusstrahl verblaßt,
gleißt doch Glanz vom Siriusse.
(Wenn man sich mit ihm befaßt.)

 

Warnen muß ich vor Cosmeten!
Wenn ihr Schweif auch unversteift,
hätt ich freilich mir verbeten,
daß mich solcher etwa streift.
[4]

 

Schlichten Milch-Getränkes Straße
spannt sich spreitend, wie man seh.
Nein, mir mindert das die Maße,
nenn es "Sahne" und "Allee".

 

Ist die Milch erstmal gemolken
und das Stirnband blaß entfleckt,
zieht sich alles zu mit Wolken.
All der Zauber zugedeckt.

 

Solche Prächte nehm ich schweigend
alle Nächte zum Genuß,
mich in Dankbarkeit drum neigend
Keplern  zum Coperni-Kuß.
[5]

 

Träf ein Sternenthaler mich,
bitte, aus der hellsten Gruppe,
Himmel, sonst behalts für dich.
Schwarze Löcher sind mir schnuppe !

 

 

 

 

 

 

Tempelhof

 

 

Früher war des Himmels Blau
nur für 's Federvieh, sammt Engeln.
Wenn ich heut hinoben schau -
frech die Flugmaschinen drängeln !

 

Ibikus[6] schon dazumal
sah man sich zu Tode stürzen.
Auch dem flotten Lilienthal
[7]
that die Thermik nicht nur nürzen.


Freiherr Graf zu Zeppelin
treibt sein Theil zwar mit Propeller,
doch es geht auch ohne ihn.
Herr von Rumpler
[8] fliegt schon schneller.

 

All dies kann nur functioniren,
wenn es GOtt in Händen hält.
Daher muß man calculiren,
daß ihm mal was runterfällt.

 

Lüde mich ein Cavalier,
zu dem Lust-Flug mich zu kühnen,
blieb ich dankend lieber hier
unten bei des Bobergs
[9] Dünen.

 

 

 

 

An meine Salat-Schleuder

 

 

Feuchtigkeit ist GOttes Segen,
wo sie Feld und Flure netzt.
Im Salate wird hingegen
mehr der trockne Stil geschätzt.

 

Fürchterlich der Hausfrau Flüche,
hängt das Blattwerk naß und schlapp.
Zeugniß von der Feinen Küche
gibt solch Anblick selten ab.

 

Hier hilft nur Salates Schleudern
durch der Centrifuge Macht.
Edlem Schmande, frischen Kräudern
flach die Frucht entgegenlacht.

 

Ist das Blatt nun platt geplättet,
hilft noch grobes Linnen gut,
wenn Salat man drin serviettet
und dann tüchtig schwenken tut.

 

Spüre selbst Gesetzes Spur, wenn
du im Kirmes-Caroussell
neigst dich kraftvoll in die Kurven.
Manchem wird da gleich übél.

 

Oft noch gibt mir das zu denken,
wenn ich spät zu Bette lieg :
GOtt tat uns die Flieh-Kraft
[10] schenken.
Ja, sehr nützlich ist Physik !

 

 

 

 

 

 

An meinen Cammin-Kehrer

 

Naht des Abends Abschiedsstunde,
sitz ich sinnend am Cammin,
wo der Vers mir fällt vom Munde
ab. Es geht nicht ohne ihn.

 

Knackt der Kienspahn, schmorn die Scheite,
schimmert licht der Lohe Schein,
schmiert die Feder Blatt auf Seite,
denn beschrieben muß sie sein.

 

Fehlt dann Abzug in dem Schlothe
durch Genest von Rabenbrut,
brest ich aus die Abendbrote,
wie es nur der Ruß mir tut.

 

Willst du Athemluft integer,
hilft dir nicht das Jäh des Zorns.
Anderntags erfleh den Feger
lieber von dem Steine-Schorns !

 

Festlich zaubert im Cylinder
der des Dramas Ursach fort.
Fetten Sottes Überwinder,
Dank gilt dir auf Daches Orth.

 

Blendend bleckt dir das Gebisse,
leuchtend schönt der Augen Schmuck
deines Teintes Finsternisse.
Bleibend ist dein Händedruck.

 

Forsch fegt dein Besen auf und nieder.
Dein Amt hat mächtigen Verkehr.
Ach kehre doch beizeiten wieder  -
es sehnt sich mein Cammin schon sehr...

 

 

 

 

 

Grammophonie

 

Ach, wie war doch früher wahrlich -
vor der Zeit vom Edison -
jeder Ton so ganz einmalig.
Heute gröhlt es grammophon !

 

Mit der wächsern weichen Walze
hält sich niemand gern mehr auf :
Einmal drauf, gelöscht sind bald se,
alle Töne. Nimm 's in Kauf !

 

Dafür Riesen-Sprechmaschinen
bietet man im Laden schon.
Turmhoch sind die Ton-Turbinen
und verschandeln den Salon.

 

Kaiser Wilhelm kannst du kaufen
für des Heimes Vestibül.
Läßt du seine Platte laufen,
macht er täglich dort mobil
[11].

 

Fest verschraubt den tiefen Trichter,
kaum die Kurbel durchgedreht -
schon mit starker Stimme spricht er.
(Wenn man auch kein Wort versteht.)

 

Männerchöre, Mandolinen,
Glockenläut zum neuen Jahr,
Kuhlaus karge Sonatinen -
reichlich ist das Repertoire.

 

Muß man Platzkonzerte meiden,
schnarrt der Platte Ohrenschmaus.
Kann man Opernluft nicht leiden,
perlt Frau Patti
[12] außer Haus.

 

Aus dem Trichter trötet Melba[13]
mit Kollegen im Duett.
Tauber singt gar mit sich selber
[14]
einmal Brust, einmal Phalsette.

 

Zwar wird auch die Platte leiser,
wenn zu oft sie abgenagt,
doch Caruso nicht mehr heiser,
der zu oft schon abgesagt.

 

Nun, es frißt viel frische Nadeln
das moderne Tongeräth.
Nimmst du alte, tut es tadeln,
daß es kreischt und krächzt und kräht.

 

Der Genuß ist dann hinüber,
und die Rille rasch perdü.
Daher stecke in es lieber
neue, sind auch teuer die.

 

Kommt der Motor ab von Touren,
(achtundsiebzig ist sein Maaß,)
tut der Tonarm nicht mehr spuren:
Jeritza
[15] bald jault im Bass.

 

Wie von Künstlern die Allüren,
ist auch Schell-Lack sehr labil.
Beide darf man nicht berühren !
Nikisch
[16] neulich runterfiel...

 

 

 

 

 

 

Wider den Gummi-Verkehr

 

Unter allen Anti-Christen,
wo sich geben dem Verkehr,
sind die Velocipedisten
doch das mehreste Malheur.

 

Einst den Fahrdamm fromm zu queren,
fiel der Blick hinab zum Schritt,
sich der Rösser zu erwehren,
deren côte man sonst zertritt.

 

Heute wird das wenig taugen,
will man auf dem Hute sein.
Hebe auf nur deine Augen,
sonst rast dir der Radler rein !

 

Lautlos auf des Gummis Reifen
schnellt er schon in deine Näh,
hinterrücks die Pneus dich streifen -
und du liegst auf der Chaussee.

 

Ach, erwäg' nur auszuweichen,
daß kein Glied sogleich verletzt -
dir schon in den nächsten Speichen
man den Überzieh'r zerfetzt.

 

Also sieh dich fest umzingelt
vor der radelnden Gefahr.
Und dann wird noch frech geklingelt
auf dem Bürger-Trottoir.

 

Sonst nur dreiste Burschen kamen
uns mit solchem üblen Sport.
Neuerdings bewegen Damen
gar sich also gottlos fort.

 

Die Törínnen muß man tadeln,
denn sie tun, was sich nicht schickt:
Barbein über Brücken radeln,
wenn ein Mann von unten blickt.

 

Hier gehört doch unumwunden,
was die Perspective schränkt,
jeder Rocksaum zugebunden,
daß kein Herr auf Dummes denkt.

 

Aus Paris - nouvelle chose -
führt die Mode eben ein
für die Radlerin die  H o s e.
Wer noch Anstand hat, sagt "Nein !"

 

Von Benzol-Automobilen
füllt die Straße sich schon sehr.
Wenn auch dabei Damen fielen...?
Stoppt den Gummi-Fernverkehr ! 

 

 

 

 

Im Triebwagen

 

Ach, wie ist mir doch suspectrisch
dieser Strom der neuen Zeit.
Alles macht nun auf electrisch !
Nein, das geht denn doch zu weit.

 

Zwar gefällt den Augen gerne,
da vor Blakung[17] brannten sie,
das Adieu der Öl-Laterne,
die ersetzt durch Birne-Glüh.

 

Aber ins Coupé zu kühnen
sich von neuer Straßenbahn,
wo von blanken Stromes Schienen
dräuet Kurzschluß ? Welcher Wahn !

 

Denn - durchzuckt von tausend Volta[18],
wenn nicht gar von manchen mehr,
wird der Körper, welche Folter,
durch das Ärgeniß Ampère[19].

 

Schwer versteifet auf der Schwelle
sinkst du ein im Mega-Watt,
wenn die wilde micro-Welle
sich an dir gebrochen hat[20].

 

Die Gefahr kennt keine Gnade.
Von den Flammen wird verzehrt
wie vom Roste die Roulade,
wer im Trieb-Waggon verkehrt !

 

 

 

Das Telephon

 

Viel fältig in der Völker Zonen,
wo wird geplaudert oft und gern,
sind doch Communicationen
im Zwiegespräch von nah nach fern.

 

Es quietscht der Walfisch in der Tiefe.
Es bläst der Kutscher auf Cornett.
[21]
Der Muezzin ruft die Calife
zum Beten hoch vom Minarett.

 

Es schwenkt vom Schiff sein Tuch der Fahner.
Es trummt im Busch der Schwarze Mann.
Es wölkt mit Rauch der Indianer.
Will  i c h  was sagen, ruf ich an.

 

Mit Schwung die Kurbel angeschoben,
schon flötet frisch im Ton von Samt,
ist auch der Hörer abgehoben,
das Fräulein von dem Fernen Amt.

 

Mit ihm wird nun ein Wort gewechselt,
ich nenn die Ciffern 5 -  9 - 3,
[22]
schon werde ich mit dir verstöpselt.
(Es sei, die Leitung ist nicht frei.)

 

Man rede deutlich ohne Nuschel,
sonst dröhnt es dumpf als wie durch Schwamm.
Was dann eindringet in die Muschel,
ist wie gesprochnes Telegramm.

 

So überbrückt man weite Strecken
vernehmlich bis zur nächsten Stadt,
geradeaus und über Ecken,
wofern man was zu sagen hat.

 

Was mich beim Jubel der Moderne
jedoch nicht unempfindlich stört:
Was ich auch spreche in die Ferne -
das Fräulein hat es mitgehört.

 

Von Mutter beim Gestrick der Socken,
vom Liebsten jeden Abschiedsgruß,
von Kindern voll des Windes Pocken
[23],
Recept von Reineclauden-Mousse
[24].

 

Und des Patents Erfinder schufen
dem Fernsprechnutzer weitres Leid:
Man wird zuweil auch angerufen,
und zwar zur ungelegnen Zeit.

 

Du reißt aus allerschönstem Schlummer
mit deinem schrillen Klingelton,
verbindest mit der falschen Nummer -
ich hasse dich, mein Telephon !

 

 

 

 

Palmin

 

Zu den edelsten Essenzen
aus der Feinkost Magazin,
dessen Auswahl ohne Grenzen,
sorgt die Säure Palmitin.

 

Stattlich strebt am hohen Halme
in des Kaisers Colonie
himmelan die Cocos-Palme.
Willst du braten, brauchst du sie !

 

Ob des Fetts Erfinder wußte
durch die Gattin ehedem
von der Kunst der braunen Crouste,
die der Köchin oft Problem ?

 

Trüben Rindertalges Schwitze,
auch des Schmaltzes Brot-Belag,
sind der Hitze schwach nur nütze
und belegt mit Beigeschmack.

 

Palästina weiland salbte
Judas König kompetent.
Moses (als noch Aaron kalbte)
schrieb das vor im Testament.

 

Doch der Morgenländer Kön'ge
waren deß nicht eingedenk.
Geizten gar um Pfönn'ge
für des Jesu Tauf-Geschenk.

 

Aus Arabiens Wüsten Dürre
kamen sie ans Kinderbett.
Statt Palmin
[25] schenkten sie Myrrhe.
Mürrhisch macht mich Affenfett.

 

Mozart machte seinen Diener
vor dem Öl, dem Volk gefällt 's,
gab der Gurgel von Palmina
Cantilenen Edel-Schmeltz.

 

An der Cassa stimmt nun heiter,
wen der Butter Preis genirt.
Rinder, schonet euren Euter !
Hier man Fett aus Palmen schmiert.

 

Importirt, ihr Frucht-Verleger,
daher, wo man selbe sieht,
die uns pflückt der nette Neger
aus dem Colonial-Gebiet.

 

Seit er missionirt vom Psalme,
in des Urwalds Grüngesträuch,
geht er singend auf die Palme,
nach den Nüssen fern für euch.

 

Solchen Segen hat uns Mutter,
die Natur, so reich gebeut.
Flocken von der Palmenbutter
jeder in die Pfanne streut.

 

Wenn nach Fett die Hände fassen,
will die Welt nur dich, Palmin
[26] !
Nein, nie gleichet - ausgelassen
[27] -
dir kein ander Margarin...

 

 



 

[1] Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter, einer der Lieblingsschriftsteller der Autorin, die ihn durch gelegentliche Zitate in ihrer Lyrik auch für das literarische Publikum Nordfrieslands wiederentdeckte. Die Dagebüller Goethe-Gesamtausgabe nimmt daher die Reimverbesserungen in "An den Mond" als Variante im Anhang auf.

 

[2] Das detaillierte Rezept findet sich im Kapitel "Süßspeisen" des Rungholdschen Erstwerkes "Koken un Backen mit Mamsell Putfarken"

[3] Ein kurzer Blick in das nämliche Rezeptbuch mag erklären, daß die friesische Küche nicht gerade diätische Askese predigt.

[4] Wie die Autorin im Jahre 1910 ihrem Tagebuch anvertraute, ist sie "...gottlob dieser Nächte vom Halleschen Cosmeten nicht ernsthaft incommodiret worden..."

 

[5] Im bibliographischen Handapparat der Dichterin befand sich offenbar auch Auguste von Düppelns "Illustrirte Himmelskunde für die Damen", Gotha 1880.

 

[6] Gemeint sein kann nur Abakus, der Sohn des Tetanus.

 

[7] Sein tragischer Unfalltod war für die Autorin doppelt schmerzlich, da er sich als Bühnenmäzen für die Annahme einer dramatisierten Fassung ihres Romanfragmentes "Herz ohne Heimath" am Deutschen Theater zu Döberitz eingesetzt hatte.

 

[8] Edmund Rumpler (1872-1940), Wiener Luftfahrzeug-konstrukteur. Das Duett "Flieg, du kleine Rumpler-Taube" aus der Operette "Puppchen" war eine Lieblingsmelodie der Autorin.

 

[9] Ein zu Flugübungen noch heute beliebtes Schwemmsandgelände vor den Toren der Metropole von Bergedorf.

[10] Die Autorin hat sich bei ihrem Übertritt zum Katholizismus nachträglich von den Schriften Galileo Galileis distanziert.

[11] Die bewußte Balkonrede vom 8. August 1914 wurde mit einem signierten Porträtrelief Sr. Majestät bis in die 20er Jahre in hoher Auflage verkauft.

 

[12] Adelina P. (1843-1916), berühmteste Koloratrice ihrer Zeit, die erst im reifen Alter von 62 Jahren dazu zu bewegen war, in den Trichter zu singen.

 

[13] Nelli M. (1861-1931) australische Operndiva, war bis ins siebte Lebensjahrzehnt aktiv. Die Dessert-Kreation von Auguste Escoffier "Pfirsich M." wurde in Nordfriesland in Ermangelung von Südfrüchten gern in "Hering Melba" modifiziert.

 

[14] Es handelt sich um das Lied "Flüsterndes Silber, rauschende Welle" auf ODEON 4524.

 

[15] Der Ruhm der Wiener Primadonna Maria J., eigentlich Marie Jelitzková, (1887-1982) drang um 1920 auch bis nach Dagebüll.

 

[16] Arthur N. (1855-1922) dirigierte im Jahre 1913 die erste Gesamtaufnahme von Beethovens 5. Symphonie auf nur vier Platten zum Preis von 48 Mark.

[17] Vergl.Brief aus dem fortschrittlichen Altona nach Dagebüll, ohne Datum: „...Nebenan brennen sie jetzt schon die ,Birne-Glüh‘, was gar keinen Qualm mehr macht, weil sie ganz von der electrischen Natur ist. Minna plustert sich, daß der Plafond nur noch einmal an Pfingsten gewitschert werden muß wegen der Fliegen-Cacque und sonstigem Geschmeiß...“

 

[18] Alessandro V. (1745-1827), italienischer Physiker. Nach der Autorin Meinung war allerdings Voltaire der Erfinder der Elektrizität, da seit der Aufklärung ja alle gefährlichen Dinge aus Frankreich gekommen seien.

 

[19] André Marie A. (1755-1836), französischer Physiker. Ihm schrieb die Autorin die Urheberschaft von Guillotine und elektrischem Stuhl zu, s.Voltaire.

 

[20] Hier werden aus Motiven der besseren Anschaulichkeit für den Leser die Naturgewalten Frieslands auf die abstrakte physikalische Terminologie projiziert.

[21] In der Urfassung findet sich ein delikater Orthographie-Fehler: "Es bläst der Kutscher auf Corsett".

 

[22] Das Telephonregister von Dagebüll kennt um 1900 keine dreistelligen Anschlüsse. Das Gedicht muß daher aus der Husumer Zeit der Autorin stammen. Unter der Nr. 539 ist im amtlichen Telephonbuch der Haushalt ihrer Cousine Marie-Gesine Hansen geb. Puttfarken angegeben.

[23] Im Spätherbst 1909 sollen alle sieben Kinder ihrer Cousine (s.o.) gleichzeitig an der Seuche gelitten haben.

 

[24] Siehe Kapitel "Confitüren" im Friesischen Kochbuch "Koken und Backen...".

[25] Das Werk wurde bei einem Gedichtwettbewerb des "alleinigen Producenten von Palmin", der Mannheimer Firma H. Schlinck & Cie., eingereicht. Leider ohne Erfolg, daher gelangte das Produkt im Haushalt der Autorin nie wieder zur Verwendung.

 

[26] Erdnuß- und Cacaofett konnten sich hingegen im gesamten nordfriesischen Raum als Butterersatz nicht durchsetzen.

 

[27] Die Urschrift enthält an dieser Stelle einen ansehnlichen Fettfleck.