ELISABETH RUNGHOLD - Lyrik und Prosa eines friesischen Fräuleins

Thomas Backens: Die Krabbenfischerinnen (1898)

 

 

Zahllose Lenze sind vergangen, seither eine der lichtdurchflutetsten wie schattenspendendsten Rätselgestalten postneuzeitlicher Deutscher Literaturgeschichte die Feder für immer aus den Griffeln legte. Wenn sie war, wer war sie wirklich? Geboren im nordfriesischen Dagebüll als jüngste Tochter des Appetitsild-Kutterführers Jan Puttfarken und seiner Frau Stine geborene Hinrichs. Den ersten Zweizeiler soll sie bereits im zarten Alter von 18 Wochen erdacht haben:

Buh - buh - määääh,

Du - du - bääääääh !

Ein Geniestreich von klassischem Anapäst in metrischer Meisterschaft, was ihren Halbonkel Hinnerk de Vries, Elementarschullehrer im benachbarten Tönning, zu dem viel zitierten Ausspruch hinreißen ließ "Die da wird mal den Literatur Niebüll-Preis erringen..." Aber wie sah sie eigentlich aus?

         Elisabeth Runghold ?                   Elisabeth Runghold ?                  Elisabeth Runghold ?    

   

                 Elisabeth Runghold ?                                                         Oder etwa....

Nein, das führt in die falsche Richtung. 1987 wurden die ersten Rungholdschen Verse dem Hamburger Kleinkunstpublikum zugemutet, daher erklärt sich das Geburtsjahr. Julius von Döberitz, der Buffo des Nymphea-Ensembles, rezitierte zu den Klängen des Rührstückes "Gebet einer Jungfrau" (1861 ist das Sterbejahr der Komponistin Thekla Bardaczewska) das Kapitel "Augustens Hochzeitsnacht" aus dem Romanfragment "Herz ohne Heimath". Lyrik und Prosa der Norne Niebülls fanden darauf über Jahre Raum in den Programmen mit Gründerzeit-Kitsch. Wann immer Soubrette Lilli Lauréen (Dörte Nagel-Harris) bebenden Busens zu den Worten "Karl-Hugo" die flackernde Kerze verlöschen ließ, gewann das Publikum eine Ahnung von der Ewigkeit. Christiane Batra widmete der Runghold sogar mehrere Rezitationsabende, Klingsor Baron Hess-Diller umschmeichelte die Texte mit der Tenorstimme des unvergessenen Thomas Ehlert* (1955-2005). Am Piano frönten Jean Colporteur (John Chapman*) und später Suzette Translateuse (Susanne Hinz-Saedi) den Herausforderungen der Salonmusik. Auch wenn die Zuschauer tobten - wir haben nie gelacht... 

In Buchform sind die Werke der Runghold zweimal erschienen, zuletzt 1995 eine sanitärgraue Volksausgabe, die in keiner Weise an die Pracht der zurückliegenden Auflage mit Faksimiles von Jugendstil-Sammelbildchen, ein Geschenk des legendären Chansoniers Joe Luga (1920-2002), anknüpfen konnte. Daher sind auch noch Restexemplare erhältlich.

Treten Sie ein in Elisabeth Rungholds wundersame Welt der Worte. Lassen wir "sie" auf den folgenden Seiten zu allen sprechen, denen sie noch etwas zu sagen hat.

Peter Bieringer Hamburg, im Mai 2007 

 

 * Co-Autoren der Operette Frühling auf Galapagos

Kontakt: bieringer@elisabeth-runghold.de